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gelung des Besseren immer noch geglaubten laizistischen Mythos: und wollte es vielleicht nicht Napoleon als erster Schöpfer dieses Mythos auf Sankt-Elena, dass sein Code die erste Basis einer europäischen Kodifikation repräsentieren sollte?3 Darf man heutzutage, in diesen Zeiten ‘der Ende der Geschichte’, womit vermutlich gemeint ist, dass die Probleme schwerwiegender oder unlösbar scheinen, oder sogar vielleicht sind, darf man heutzutage noch einen Ausweg in historischem Sinne finden? Damit sind wir vor eine schlichte Alternative gestellt. Sagen wir es genauer. Damit bleibt uns entweder die Möglichkeit, ein akademisches Ritual zu vollziehen, und zwar in dem Bewusstsein, dass – wie man neulich fein notiert hat – es heute so ziemlich die einzige Möglichkeit sei, z.B. Homer, selbst Goethe oder eben auch Napoleon und sein juristisches Meisterwerk zu lesen.4 Oder wir versuchen einen anderenWeg, so lautet, ganz offensichtlich, unsere tiefere Überzeugung, indem wir eine völlig andere Problemstellung erkennen und individualisieren? “Heute, wie damals, wird es vielleicht heißen: das sei eben jene Gelehrtenkontemplation, welche” – nicht aus Zufall – “schlechte Bürger erziehe”.“Darauf wäre zu antworten:Wohin soll es noch kommen mit der Neigung – die durch die Jubiläumsfeiern nur verstärkt werden kann – der jetzigen Geschichte, in Publizistik (oder Material dazu) umzuschlagen?”. Und gerade in diesem Punkt kommt uns sogar kein anderer, als Jacob Burckhardt zu Hilfe: “Sollten denn nicht Geschichte und Philosophie und einige andere schöne Sachen sich im Gegenteil um jeden Preis behaupten als die sehr wenigen trocken Felsen, zu welchen die Flut der Zeitlichkeit nicht steigen darf, weil sie der Erkenntnis als solcher zur Zuflucht dienen?” Und mehr noch: “Ich rate ferner p ao l o ca p p e l l i n i 116 3 “Pourquoi mon Code Napoleon n’eut-il pas servi de base à un Code européen?”, zitiert nach J.Carbonnier, Le Code civil in : Les Lieux de Mémoire, 1 sous la direction de Pierre Nora, Gallimard,Paris 1997,S.1337. 4 Es sei damit wiederum auf eine auch in stilistischem Sinne sehr schön ausgedrückte, treffende Überlegung Houellebecqs hingewiesen.

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