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27 Die Wissenschaft hört folglich auf, philosophisch notwendig zu sein, sobald sie in erster Linie nach ihrem Nutzen fiir äufiere Zwecke gestaltet und beurteilt wird/° Der absolute Grund der Erkenntnis kann natiirlich nicht an sich bewiesen werden, dies wiirde dessen Eigenschaft als Grundlage widersprechen. Aber es war, nach Schelling, offenbar, dafi die Wissenschaft zu existieren aufhören wiirde, wenn nicht das Absolute - bewufit oder unbewufit - aller derartigen Tätigkeit zugrunde gelegt wiirde. „Wir können diese wesentliche Einheit selbst in der Philosophic nicht eigentlich beweisen, da sie vielmehr der Eingang zu aller Wissenschaftlichkeit ist; es läfit sich nur eben die£ beweisen, dafi ohne sie iiberhaupt keine Wissenschaft sey, und es läfit sich nachweisen, dafi in allem, was nur Anspruch macht Wissenschaft zu seyn, eigentlich diese Identität oder dieses gänzliche Aufgehen des Realen im Idealen (und umgekehrt die Möglichkeit der gänzlichen Umsetzung des Idealen ins Reale) beabsichtigt werde. Bewufitlos liegt diese Voraussetzung allemdem, was die verschiedenen Wissenschaften von allgemeinen Gesetzen der Dinge oder der Natur iiberhaupt riihmen, so wie ihrem Bestreben nach Erkenntni£ derselben zu Grunde. “ 71 Der absolute Ståndpunkt, als eine Weiterentwicklung von Kants kritischer Vernunftskonzeption, bahnte den Weg fiir eine Ausdehnung der Reichweite der wissenschaftlichen Argumentation; auch die Wissenschaftlichkeit der objektbestimmten Erkenntnisarten wurde dadurch als eine relevante Frage fiir die Reflektion der theoretischen Vernunft erfalk. Ohne in atheoretische Spekulation zu verfallen mufite es, nach Schellings Auffassung, möglich sein, in der Metaphysik die grundlegenden Voraussetzungen fiir die Freiheit der Spezialwissenschaften zu bestimmen — oder mit anderen Worten; die theoretischen Voraussetzungen fur die Tätigkeit der freien Wissenschaften. Die freien Wissenschaften Die kantianische Erkenntnistheorie wurde von der grundlegenden Gegensätzlichkeit zwischen Subjekt und Objekt beherrscht. Diese Begriffe repräsentierten nämlich direkt entgegengesetzte Positionen in der Erkenntnis, und die Machtstellung des Grundes von einem der beicien hatte die vollständige Unterdriikkung des anderen zur Folge. Die prinzipielle Feindschaft, die zwischen dem Subjekt und dessen Objekt herrschte, kamin der Art und Weise wie Kant seine Vernunftskritik formulierte zum Ausdruck; die Vernunft sollte durch Zwang die Dinge in Ubereinstimmung mit den eigenen Wiinschen der Vernunft bringen. Das Bezwingen der Dinge durch das Erkenntnissubjekt - die „koperSiehe aaO. ibidem: „Um ihrer selbst willen wird sie aber sicher nicht gefördert, wenn Ideen z.B. aus dem Grund zuriickgewiesen werden, weil sie keinen Nutzen fiir das gemeine Leben haben, von keiner praktischen Anwendung, keines Gebrauchs in der Erfahrung fähig sind“. AaO. S. 215.

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