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110 4. Geständnis durch Stellvertreter Das eben erwähnte Beispiel des fliichtigen Mannes, der von seinem Zufluchtsort im Kloster durch Boten nach Stockholm die Schuld fiir einen versuchten Totschlag und andere Delikte auf sich nahm, zeigt, daB man in Strafsachen ein Geständnis durch Stellvertreter nicht akzeptierte.®^ Fiir Zivilsachen ergeben die erhaltenen Quellen des Spätmittelalters jedoch deutlich, daB man Vertretung vor Gericht in dem von den Gesetzen gezogenen Rahmen zulieB. 5. ProzejSfähigkeit Ober die ProzeBfähigkeit von Frauen geben die spätmittelalterlichen Quellen keine klare Antwort, Viele Beispiele zeigen, daB man den schon dargestellten Vorschriften des Rechts iiber ProzeBfähigkeit von Frauen in bestimmten Fällen folgte und ihre ProzeBfähigkeit in anderen verneinte.^® Flierzu kommen aber Notizen vor allem in den Stockholmer Stadtbiichern, die erkennen lassen, daB Frauen selbst in solchen Sachen auftreten durften, in denen das Auftreten eines Vormundes den Rechten eher entsprochen hätte. Vielleicht ist das ein Zeichen fiir ein schon erwähntes spätmittelalterliches Streben, alle Individuen, auch Frauen, fiir die eigenen Taten einstehen zu lassen. Möglicherweise kommt darin auch das ,.GroBstadtleben“ in Stockholm zum Durchbrucht. Wahrscheinlich ist, daB das Stadtleben zu einer gewissen Frauenemanzipation beigetragen hat zum einem im Hinblick auf Witwen mit Handels- und Handwerksbetrieben und zum anderen im Hinblick auf alle Mägde, die sich in Stockholm sammelten und häufig aus Elternhäusern stammten, die weit von der groBen Stadt entfernt waren. Z. B. sieht es so aus, als ob eine alleinstehende Frau, die iiber Nachrede angeklagt worden war, sich selbst vor Gericht verteidigen muBte,®' während andererseits ein Mann fiir seine Frau BuBe zahlen muBte, wenn sie eine solche Tat begången hatte.®® Nach den STB, II, S. 578 f. (3. Oktober 1491). STB, I, S. 107 (3. Juni 1477), Hurerei, S. 111 (23. Juni 1477) Vaterschaftserklärung, S. 116 f. (4. August 1477) Tötung eines Mannes, S. 151 (6. April 1478), Verbrennen eines totgeborenen Kindes, der Kirche zur Aburteilung uberwiesen, S. 182 (8. August 1478), Hurerei, S. 314 f. (3. Oktober 1481), Hurerei, II, S. 239 (1. Dezember 1487), Beihilfe zum Totschlag, S. 418 (10. März 1490), Zauberei, III, S. 164 (28. Mai 1494), Hurerei, S. 166 f. (11. Juni 1494), Kindesmord, Frau geisteskrank, S. 333 (26. Juni 1497), Verrat und Zauberei. —Upplands lagmansdombok, S. 22 (1490) Mord. —Arboga stads tankebok, I, S. 11 (16. Oktober 1452), Mord, S. 267 (27. Juli 1467), Verlassen von Haus und Mann. Z. B. Arboga stads tänkebok, I, S. 36 (21. April 1455), II, S. 204 (1. April 1483). »■ STB, I, S. 111 f. (23.—30. Juni 1477), S. 119 (11. Augusti 1477), S. 230 (4. März 1480), II, S. 193 (5. Mai 1487). STB, I, S. 178 (27. Juni—4. Juli 1478), S. 254 (15. Juli 1480). 94 96 98

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