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Paolo Cappellini 24 es notwendig, den Begriff des Pluralismus der juristischen Ordnungen weiter zu vertiefen, um eine Rekonstruktion der internationalen Gemeinschaft und des auf sie bezogenen Rechtes zu vermeiden, die vomstaatlichen Recht ,ausgeht‘ (und sich tiber ihm abflacht). Im besonderen scheint es in dieser Optik nutzlich, die gesamte Problematik der Persönlichkeit des einzelnen Individuurns im internationalen Recht neu zu tiberdenken und dabei vom romanoschen Prinzip auszugehen (wobei man nattirlich dessen politische Intentionen ändern muB), nach dem „jede Persönlichkeit aus einer gegebenen Ordnung und nur fiir diese konstituiert ist“: wenn auch das innere Recht der einzelnen Staaten (faktisch der Mehrheit der Staaten) das Individuum als einfaches Objekt der Domination und Herrschaft qualifiziert, gibt es keinen Grund, warum die internationalistische Doktrin ihre Kategorie von Persönlichkeit konstruieren sollte, indemsie sich mit der staatalistischen ,konformiert‘, statt ein demokratisch akzeptierbareres und ,produktiveres‘ Paradigma vorzuschlagen. V. Es bleibt natiirlich vorausgesetzt, das das Problem eines (virtualen) Umsturzes der Mentalität (die den schlagwortartigen Oberflächenindividualismus in ein produktives Prinzip transformiert) von einem ,klassisch‘ liberalen Ansatz ausgeschlossen bleibt, der dazu neigt die Oberfläche bereits als Substanz anzusehen und der davon ausgeht, den Schutz des einzelnen und konkreten Individuums in individualistischer Weise realisieren zu können. Ein Ansatz also, der die philosophisch-geschichtliche Dimension der zu leistenden Arbeit gar nicht wahrnimmt und der vergilk, dal5 - umdie Worte eines heterodoxen Liberalen zu benutzen - „Die Religionen des Individualimus immer heroisch gewesen sind“ (P. Gobetti). Und die Frage - hier mtissen wir an den historischen Ausgangspunkt unseres Disburses ankniipfen - was der Mensch in der internationalen Ordnung ist und welche Rolle er zu spielen hat, ist keine abstrakte Frage und auch keine ,objektive‘ und dementsprechend bezieht sich die Antwort, die wir suchen, auf das „heute“, die Möglichkeitsbedingungen (da „die Möglichkeit zwar nicht mit Realität gleichzusetzen, aber dennoch eine Realitcät ist: daB der Mensch eine Sache machen oder lassen kann hat seine Bedeutung, um zu werten, was tatsächlich gemacht wird. Möglichkeit heilk „Freiheit“. Das Mal^ der Freiheit ist Bestandteil des Konzeptes des Menschen selbst“), die vom „heutigen“ Leben gegeben sind, aber nicht irgendein Leben irgendeines Menschen. Die Frage bekommt ihren Sinn aus der jeweils besonderen Art und Weise in der das Leben und der Mensch in Betracht gezogen wcrden und sie gehört, wie der ,heroische‘ Satz des Individualismus, der zunächst fur das Gewissen proklamiert, später aber fur die Rechte erklart wird, zur Sphäre der protestantischen Religionen, aufklärerisch und jansenistisch, so sollte heute vielleicht, mit und gegen Gramsci wiederholt werden, daft „die wichtigste dieser Betrachtungsweisen die ,Religion‘ ist und zwar eine bestimmte Religion, der Katholizismus. Wenn wir uns fragen ,Was ist der

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