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136 reinen formellen Systematik in der Erfahrung einzuschränken, sowohl produktiv als auch reproduktiv sein.^^ Die angenommene Emheit zwischen der allgemeinen Wesenseinheit und dem stofflich geprägten Ausdruck davon, wird naturlich nicht durch die reine, logische Identität charakterisiert. Bereits das Faktum, dafi der organisierte Stoff in der Lage sein sollte die objektive Einheit des Wissens auszudriicken, verdeutlicht, daB der Stoffausdruck, obwohl er seinen notwendigen Grund in dem Wesen des Dinges hat, auch immer eine besondere, weiterc Bestimmung enthalten muB. Aus dem Gesichtswinkel dieses wissenschaftstheoretischen Standpunkts ist es vielmehr notwendig, die allgemeine Natureinheit und deren besonderen Ausdruck in der Mannigfaltigkeit, als prinzipiell gegeniiberstehende Pole innerhalb der angenommenen höchsten Einheit des Wissens zu betrachten.^* Damit es möglich sein sollte, die wissenschaftliche Einheit beizubehalten, und das war ja gerade um diese Einheit, die die Vernunft ihren kritischen Standpunkt zu iiberschreiten gezwungen hatte, war es notwendig, gleichzeitig zwei gegeniiberstehende Elemente des Wissens teils in sich und teils als in eine höhere Einheit aufgelöst aufzufassen. Die Verbindung von zwei an sich gegensätzlichen und notwendigen Elementen im Wissenschaftsprozefi, machte die grundlegende Voraussetzung fur die Wissenschaftlichkeit der materiellen Disziplinen aus.^^ Fiir die nachkantianischen Idealisten nahmen diese Frage einen zentralen Platz in den wissenschaftstheoretischen Diskussionen ein, und deren Streben, widerspriichliche Begriffe in höherer Einheit zu vereinen, erwarb insbesondere Schelling die Bezeichnung Identitäts- oder Vereinigungsphilosoph/° Sie formulierten dieses wissenschaftstheoretische Problem als die Frage, wie das philosophisch notwendige Verhältms zwischen dem Allgemeinen und dem Besonderen oder zwischen dem Universellen und dem Individuellen in der Wissenschaft abgefaf^t werden mul^. Die Begriffspaare ,,allgemein“ und „besonders“, sowie ,,universell“ und ,,individuell", miissen in sich als direkt gegensätzlich bezeichnet werden. Das Allgemeinste in der Wissenschaft ist notwendigerweise auch die höchste angenommene Einheit zwischen Subjekt und Objekt. Durch diese Einheit erscheint die Wissenschaft als vollständig entVgl. Vom Beruf, S. 13 und S. 71. In der Phrase „Diese [die leitenden Grundsätze] heraus zu tuhlen . . .“ wird die Produktivität und einheitschattende Kraft der Vernunft als die Voraussetzung der Reproduktion der Objektwelt — „ein organisches Princip zu entdecken . . - angedeutet. Zusammen stellen diese beiden Stellen das Streben nach der dialektischen Bewegung des Wissens dar, in der Svstematisierung und Objektivierung m einer gegenseitigen Beziehung zu einander steben. Siehe auch „die Methode der Erfindung" in Juristische .Mcthodenlehre, S. 70 und S. 72. Vgl. Wilhelm, aaO. S. 80 ff. („gefundenes“ und „erfindenes Recht"). Siehe Juristische Methoäenlehre, S. 23: „Jede zweckmäi?ige Interpretation mub zweierlei, an sich F.ntgegengesetztes, in sich vereimgen. Sie muls zugleich universell und individuell sein“. Beziiglich dieser Technik, siehe Riickert, aaO. S. 314, der sie als ein „Unterscheiden ohne Trennen“ charakterisiert. Siehe Historisches Wörterhuch der Philosophic, Bd. IV („Identitätsphilosophie“), Sp. 151.

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