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substantialistische, transzendental-philosophische Begründung,mit der Kant derTheorie auch hier den Primat vor Utilität, gesunderVernunft, moralischem Gefühl, Pragmatik, common sense, moral sense usw. gab. Garve dagegen war sich in Sachen Sittengesetz nicht so sicher. Daraus abgeleitete Pflichten schienen ihm nicht so scharf, ein Sitten-Gesetz im allgemeinen, gar apriorischen Sinne wollte er nicht anerkennen. Er argumentiert eher empirisch, utilitär und pragmatisch und fordert daher einen unterscheidenden Kompromiss in Sachen Theorie und Praxis. Hier kommt es nun nicht auf die Details dieser Diskussion an, sondern auf deren Fortgang.Alle nachkantianischen deutschen Idealisten haben nämlich denVorrang dieser wissenschaftlichen Art vonTheorie festgehalten, also insbesondere Fichte, Schelling und Hegel, und dies trotz aller sonst großen Unterschiede, der mehr subjektiven oder objektiven Idealismen, der mehr erkenntniskritischen oder erkenntnisgewissen, mehr seinskritischen oder mehr seinsgewissen Positionen, usw. In welchenVariationen auch immer, einfach gesagt, ob vom Ich her, aus der Offenbarung, aus der Geschichte oder von der Vernunft her, sie waren sich doch einig über die Einheit vonTheorie und Praxis unter dem Primat der rechten Theorie. Dabei sprach man übrigens mehr und mehr vonWissenschaft statt Theorie, wie es auch Savigny tat. Rehberg spricht 1794 etwa von wissenschaftlicher Philosophie.39 In seiner Art recht drastisch formulierte den neuen Primat z.B.Hegel in §4der Zusätze zu seiner Philosophie des Rechts: Er stellt theoretisches und praktisches Verhalten scharf einander gegenüber und gibt anschließend dasVerhältnis beider an: joach i m rücke rt 249 39 Bei Henrich (Fn. 36) 117. „Das Theoretische ist wesentlich im Praktischen enthalten: es geht gegen die Vorstellung, dass beide getrennt sind, denn man kann keinen Willen haben, ohne Intelligenz. Im Gegentheil der Wille hält das Theoretische in sich: DerWille bestimmt sich; diese Bestimmung ist zunächst ein Inneres: Was ich will, stelle ich vor, ist Gegenstand für mich.DasThier handelt nach Instinkt, wird durch ein Inneres getrieben und ist so auch praktisch, aber es hat keinenWillen, weil es sich das nicht vorstellt, was es begehrt. Ebenso wenig kann man sich aber ohneWillentheoretisch verhalten, oder denken, denn indem wir denken, sind wir eben tätig. Der Inhalt des Gedachten erhält wohl die Form des Seyenden, aber dies Seyende ist einVermitteltes, durch unsereThätigkeit Gesetztes. Diese Unterschiede sind also untrennbar: Sie sind Eines und dasselbe, und in jeder Tätigkeit, sowohl des Denkens alsWollens finden sich beide Momente“.

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