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30 Die allgemeinste und damit grundlegende Relation bestand im Verhältnis zwischen dem Ganzen und den Teilen. Damit es fruchtbar sein soil, die Begriffe „Ganzes“ und »Teil" als Gegensätze, vereint in einer höheren Einheit, zu betrachten, ist es notwendig das Ganze als eine teleologische Einheit aufzufassen, ein Wesen, und nicht blo£ als eine Summe von Teilen.Das Ganze muf^te, umin die schellingsche Relation zu passen, eine selbstandige Bestimmung sein, geschieden von der Definition der Teile. In dem Mafie wie man das Ganze als einen Organismus auffaf^t, ist es auch natiirlich, diese Einheit als Ausgangspunkt der Relation, der einheitschaffenden Kraft, zu der alles iibrige relativiert werden und Mittel sein mufite, zu begreifen.^* Dies bedeutet, daB die allgemeine Systemeinheit immer den Teilen vorgehen mul^te; das Allgemeine bildet den methodologischen Selektionsgrund, der den Charakter der Teile und deren Verhältnis untereinander bestimmt. Das Primat des Allgemeinen imVerhältnis zu den einzelnen Teilen fiihrt dazu, dab das Ganze als einzige Quelle seine eigenen Organe produziert. Zufälliger Stoff, d.h. alles, was fremd fur die Natur des Ganzen ist, wird auf diese Weise aus demOrganismus ausgemerzt: es wird gemäfi den Gesetzen des Organismus als fremdes oder totes Material abgestofien.^^ Die postulierte Oberhoheit der allgemeinen Systemeinheit durfte jedoch nicht bedeuten, dal? das Teil als endgiiltig und vollständig der Bestimmung des Ganzen unterworfen aufgefal?t wurde. Eine Systemrelation, in der die Teile allein in ihrer Eigenschaft als Organ gesehen wurden, fiihrte - wie im Falle der kantianischen Vernunftssystematik — zu einemoffenen Konflikt zwischen den verschiedenen Einheiten, der nur durch die Zersetzung des einen oder des anderen von den Streitenden seine Auflösung erfahren konnte. Die wahre Relation mul?te dagegen die Unabhängigkeit )edes einzelnen Tedes garantieren können. Da sowohl das Ganze als auch die Teile ihren Grund in demAbsoluten haben, mul?te auch jedes einzelne Teil als ein Reflex dieses unabhängigen Wesens gesehen werden.Auch das Teil ist folglich an sich ein absolutes - unabhängiges - systematisches Ganzes, ein Organismus. Hinsichtlich der Charakteristika des absoluten Ganzen, siehe Kaulbach, Philosophic der Beschreibung, S. 349 ft., siehe insbes. S. 351 („die absolute Identität"). Schelling, aaO. S. 212: „Auch in der Wissenschaft . . . hat das Besondere nur Werth, sofern es das Allgemeine und Absolute in sich empfängt." Dafi die allgemeine Bestimmung, nach Schellings Auffassung, den primus motor des Erkenntnisprozesses darstellte, geht sowohl aus dem abstrakten und zeittypischen Triangelbeispiel auf S. 216 und S. 252 f. als auch aus Schellings Forderung hervor, daB die Bezeichnung „Wissenschaftler“ engeren Bestimmungen wie Jurist oder Mediziner vorgehen miisse, S. 212. ’’ AaO. S. 217: („Allerdings . . .“). Das Trockene, Tote, Steife und Mechanische wurde in Gegensatz zu der inneren Natur der Dinge gesetzt, siehe dazu Buhr, Manfred: Zur Stellung Schellings in der Entivicklungsgeschichte der klassischen biirgerltchen deatschen Philosophic, S. 55. Schelling, aaO. S. 282: „Ihr [der Philosophic] nothwendiger Tvpus ist: den absoluten Centralpunkt gleicherweise in den beiden relativen und hinwiederum diese in jenem darzustellen und diese Grundform, welche imGanzen ihrer Wissenschaft herrschend ist, wiederholt sich nothwendig auch imEinzelnen."

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